Die letzten Wochen in Montreal gingen schnell zu Ende. Marco und Rebecca haben uns zu einem Wochenende in ihrem Charlet eingeladen. Natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken, denn wir durften das Dach von ca. 1 1/2m Schnee befreien. Trotzdem war es sehr schön und wir konnten auch Schlittschuhlaufen von unserer To-Do Liste streichen.

Am vorletzten Abend in Montreal haben wir für Rebecca und Marco noch einmal typisch Deutsch gekocht und Kartoffelsalat mit (vegetarischen) Bouletten aufgetischt. Vor allem vom Kartoffelsalat (nach Muttis Art) waren beide sehr angetan. Den letzten Tag vor unserer Abreise haben wir damit verbracht bei Con (dem reichen Freund von Marco) Bilder aufzuhängen und seinen Weinkeller einzurichten, um uns ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Con konnte uns nach getaner Arbeit aber nicht einfach gehen lassen, sondern hat uns mit zwei Flaschen teuren Rotwein ordentlich angetüdelt.


Beim Reisen wird man echt zum Sparfuchs. Jeden Tag essen gehen wird auf dauer zu teuer, weshalb wir uns entschieden haben Proviant vorzukochen. Jana erheiterte sich dann auch über die Massen, die ich noch am letzten Abend gekocht habe. Mit zwei Büchsen Curry und Hacktofunudeln sowie zwei Beuteln mit geschmierten Broten waren wir gerüstet, um unsere 1600km lange Fahrt zu überstehen.

Der erste Abschnitt von Montreal nach Val-D’or verläuft quer durch die Laurentions, eine kleine Hügelkette nördlich von Montreal, und durch ein Wildtierreservat. Außer Vögel haben wir allerdings keine Tiere zu Gesicht (oder an den Kühlergrill) bekommen. Val-d’Or ist eine Bergarbeiterstadt und hat eigentlich nichts berichtenswertes zu bieten. Nach einer erholsamen Nacht ging es am nächsten Tag weiter Richtung Ontario nach Wawa. Dank Schnee und Matschwetter kamen wir nur langsam vorran und die 625km zogen sich sehr lang. In Wawa angekommen, vertraten wir uns kurz die Beine und gingen danach gleich ins Bett, denn am nächsten Tag wartete die letzte Etappe (550km) nach Shabaqua auf uns.

Jana hat mir schon in Berlin die ganze Zeit in den Ohren gelegen, dass sie doch unbedingt auf einer Pferdefarm arbeiten möchte. Natürlich kann ich ihr keinen Wunsch absprechen, sodass wir schließlich am 11.03. auf der Whispered Dreams Ranch, im Nordwesten Ontarios angekommen sind. Der erste Eindruck bestätigt erst einmal das Workaway-Klischee, alles ein bisschen rümpelich. Mit uns sind gerade noch zwei Pferdemädchen aus Deutschland da, die hier ebenfalls Workaway machen. Jeff, der Besitzer ist ein wirklich netter Cowboy, der auf der Ranch neben Pferdereiten noch Sozialarbeiterdienste anbietet. Zum Inventar gehören eine unüberschaubare Zahl an Katzen, ein Hund, ein Dutzend Hühner, zwei Gänse, drei Mini-Truthähne, zwei Kühe und ein Kalb, 13 Pferde und ein Esel. Unsere Aufgaben bestehen bis jetzt hauptsächlich aus den “Chores” (morgentliche und abendliche Arbeiten mit den Tieren) und Hausarbeit.

Jana konnte schon ein paar mal ausreiten und ist gerade dabei dem Esel ein paar Tricks beizubringen. Mein Kontakt zu den Tieren kann man am Besten als abwehrend beschreiben. Meistens befindet sich zwischen mir und den Tieren eine Mistgabel, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten.